logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Freitag, 17.02.2012

dumm gelaufen

Nach langer Zeit wollte ich wieder bloggen:-) Aber eine Woche in der Medienrealität.. und mir ist übel.
So geht das nicht:)

Mittwoch, 01.02.2012

Wow, am iPhone bloggen...

Das habe ich nicht für möglich gehalten. Bloggen und twittern mit einem kleinen Telefon. Wo und wann ich möchte.
Schade, daß es schon so spät ist, aber schön, daß im Schlafzimmer jemand auf mich wartet:-)
À demain peut-être...
Bonne nuit mes amis@
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...ich wollte nie erwachsen sein...

Heute reaktiviere ich meinen Blog, aber ich habe bis 2005 fast alle Beiträge entfernt. Keine Selbstzensur, sondern aus meiner Sicht ein Schritt nach vorn. Es kommt eben auch oder gerade heute auf die richtigen Worte an.

Montag, 08.09.2008

Erdbeeren

Es war einmal, aber vor nicht so sehr langer Zeit, da hatte ich auf einmal so einen Heißhunger oder grenzenlosen Appetit auf frische Erdbeeren. Es war schon Ende Mai, und ich sah in meinem kleinen Laden tatsächlich ein paar Schälchen mit frischen Erdbeeren aus Spanien. Flugs nahm ich eine dieser kleine Portionen, bezahlte diesmal lächelnd und ging wahrscheinlich schneller als sonst nach Hause. Dort angekommen, wusch ich die leckeren und hübschen roten und herrlich duftenden Früchte unter klarem Wasser. Dann schnitt ich sie mit meinem kleinen Lieblingsmesser aus rostfreiem Stahl behutsam in kleine mundgerechte Stücke. Das war schon eine Vorfreude.
Anschließend nahm ich ein wenig Zucker und streute ihn vorsichtig auf dieses köstliche Fruchthäufchen.
Ich mußte mich sehr beherrschen, aber ich ließ das Schälchen ein paar Minuten, die mir aber wie Stunden vorkamen, ziehen. Der Saft der Erdbeeren zeigte sich mir wie die aufgehende rote Morgensonne.
Dann goß ich sachte ein kleines Schlückchen fettarmer H-Milch darüber und rührte alles ganz, ganz, ganz behutsam um.
Was soll ich jetzt noch sagen? Ich nahm mir meinen größten Löffel....., und ich aß in einem Affenzahn alles auf. Na ja, ich habe sie eben einfach verschlungen. Noch heute denke ich gerne an dieses Erlebnis, erzähle meinen Kindern davon, die sich nicht daran satt hören können.
Ja, so war das damals;-)

Freitag, 11.07.2008

Einsam, von August Strindberg

Dies ist schließlich die Einsamkeit: sich einspinnen in die Seide seiner eigenen Seele, sich verpuppen und auf die Metamorphose warten, denn eine solche wird nicht ausbleiben. Inzwischen lebt man von seinen Erlebnissen, und telepathisch lebt man das Leben anderer. Tod und Auferstehung; eine neue Erziehung zu einem unbekann-ten Neuen.
Endlich ist man sein eigener Herr. Keines anderen Gedanken kontrollieren die meinen, keines anderen Vorlieben, Launen bedrücken mich. Jetzt beginnt die Seele in neuerworbener Freiheit zu wachsen, und man empfindet einen ungeheuren inneren Frieden, stille Freude und ein Gefühl von Sicherheit und Eigenverant-wortlichkeit.
Denke ich zurück an das Zusammenleben, das Erziehung sein sollte, dann stelle ich jetzt fest, daß es nur eine Grundschule des Lasters gewesen war. Ständig Unschönes sehen zu müssen, heißt für jemanden, der Schönheitssinn besitzt, Folter, was einen dazu verleitet, sich für einen Märtyrer zu halten. Aufgrund von Rücksichten vor Ungerechtigkeiten die Augen zu verschließen, erzieht einen zum Heuchler. Sich daran zu gewöhnen, aufgrund dieser Rücksichten seine Meinung stets zu unterdrücken, macht einen feige. Um des Friedens willen schließlich die Schuld für Dinge auf sich zu nehmen, die man nicht begangen hat, erniedrigt einen unmerklich, so daß man eines schönen Tages glaubt, ein Lump zu sein; niemals ein Wort der Ermunterung zu hören, raubt einem Mut und Selbstgefühl; und die Folgen der Fehler anderer zu tragen, läßt einen gegen Menschen und Weltordnung in Raserei verfallen.
Und das schlimmste ist, daß man nicht über sein eigenes Schicksal bestimmt, auch wenn man den guten Willen hat, richtig zu handeln. Was nützt es, wenn ich in allem versuche, vollkommen zu sein, wenn mein Partner sich beschmutzt. Auf mich entfällt mindestens die Hälfte der Schande, wenn nicht die ganze, was der Normalfall ist. Dieser Umstand des Zusammenlebens ist dafür verant-wortlich, daß man ständig in Unsicherheit lebt, eine größere Angriffsfläche bietet, sich mit seiner Person durch die eines anderen exponiert, vom launenhaften Verhalten eines anderen abhängig ist. Und jene, die nicht in der Lage waren, mir die Hand in die Tasche zu stecken, als ich allein stand, sie haben es leicht, mit dem Messer mein Herz zu erreichen, wenn ich einem anderen gestatte, es auf Straßen und Plätzen umherzutragen.
Was ich zudem mit der Einsamkeit gewonnen habe, ist, daß ich über meine geistige Diät selbst entscheiden kann. Ich muß in meinem Haus keine Feinde an meinem Tisch sehen und schweigend anhören, wie man schmäht, was ich hochachte; ich bin nicht gezwungen, in meinen vier Wänden die Musik zu hören, die ich verabscheue; es bleibt mir erspart, Zeitungen herumliegen zu sehen, die Karika-turen über meine Freunde und mich selbst enthalten; ich bin davon befreit, Bücher zu lesen, die ich ablehne, und auf Ausstellungen zu gehen und Bilder zu bewundern, die ich schlecht finde. Mit einem Wort, ich bestimme selbst über meine Seele, in den Fällen nämlich, in denen man ein Recht hat zu bestimmen, und ich kann meine Sympathien und Antipathien wählen. Ich bin niemals ein Tyrann gewesen, wollte mich nur nicht tyrannisieren lassen, und dies dulden die tyrannischen Menschen nicht. Dagegen bin ich immer Tyrannenhasser gewesen, und das verzei-hen die Tyrannen nicht.
Ich habe stets vorwärts und aufwärts gestrebt, darum hatte ich denen gegenüber, die mich hinabziehen wollten, das größere Recht, und darum bin ich einsam geworden.


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Mittwoch, 19.03.2008

Die Impfung gegen Krebs

Seit einiger Zeit gibt es einen Impfstoff, der Frauen gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) schützen soll.
Seit einiger Zeit wird dieser Impfstoff von der STIKO auch empfohlen.
Was heißt das?
2 von 4 Frauen, die von insgesamt 500/100000 Frauen im Jahr an diesem Krebs erkranken, könnten geschützt werden! Dafür erkranken die anderen Frauen altersabhängig statistisch relevant an anderen Krebsarten.
3 Injektionen kosten 450€.

Dieser Krebs ist durch Hygiene, Aufklärung und gesundes Sexualverhalten vermeidbar. Auch Beschneidung und sorgfältige Auswahl der Partner würden helfen, diesen Krebs, der durch Infektionen ausgelöst wird, zu vermeiden.

Gegen Dummheit gibt es keine Impfungen.

In Afrika sterben Millionen Kinder an Infektionen, die durch Impfungen vermeidbar wären. Masern, Tuberkulose, Keuchhusten etc.
Diese Impfstoffe sind preiswert vorhanden, aber auch ohne Infektionen würden diese Kinder nicht zur Zielgruppe der Globalisierung gehören.
Shit happens. Jeden Tag.

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Mittwoch, 12.03.2008

Spaß und Freude, Schweiß und Muskelkater

Heute war ich mal wieder für meine Eltern da. Mit meinem Kombi, den ich für geräumig halte, wollten wir einen Teppich (Auslegeware) holen.
Es paßte aber alles nicht in mein eigentlich großes Auto. Ich war irritiert, und wir legten die superlange Rolle einfach auf das Dach und banden es nach einem Vorschlag meines Vaters mit unseren Gürteln an die Reeling. Wirklich lustig, dann damit im Schritttempo heimzukehren.
Aber im Treppenhaus des Plattenbaus fing dann die Tortour an. Zum Glück kam ein freundlicher und gut gebauter Nachbar des Weges und bot uns seine Hilfe an.
Wie würden Sie eine lange sperrige Rolle nach oben bekommen? Oberstes Stockwerk?
Zum Glück war kein Fotograf in der Nähe, es war zum Schreien, zum Kinderkriegen oder einfach nur zum Lachen.
Jetzt habe ich Schmerzen in meinen Armen, aber eine fröhlich heitere Erinnerung mehr an meine Eltern, die sich mit über 70 Jahren unbedingt ein neues Wohnzimmer einrichten wollten. Das haben sie geschafft. Ich bin froh, ihnen dabei behilflich gewesen zu sein. Aber umtauschen sollten sie den Teppich nicht. Dann laß ich mich krankschreiben, oder so;-)


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Mittwoch, 30.08.2006

Meine hasenohrblättrige Euphorbia;-)

Vor meinem Urlaub mickerte meine Lieblingspflanze so schrecklich vor sich hin. Ich machte einen Senker. Und vergaß ihn dann fast. Als ich im Urlaub war, steckte meine Mutter diesen Senker einfach in Erde. Als ich wieder zu Hause war: Der Senker hatte Wurzeln und Blätter! Auch hatte sich die Mutterpflanze erholt. Danke, Mutter! Auch dafür liebe ich Dich!

Donnerstag, 13.07.2006

An Deutschland anknüpfen?

Popmusiker Peter Heppner über den neuen Patriotismus, seinen Hit ?Wir sind wir? und die Rückkehr der Linken zur Nation
Moritz Schwarz

Herr Heppner, in der letzten Minute gegen Italien platzte der deutsche Traum des Jahres 2006. Sieger im kleinen Finale, ?Weltmeister der Herzen?. Was wird vom vierwöchigen schwarz-rot-goldenen Woodstock der Deutschen bleiben?

Heppner: Ich bin selbst mein Leben lang gewöhnt gewesen, mit Patriotismus und allem, was mit Deutschsein zusammenhängt, sehr, sehr vorsichtig umzugehen, und ich muß zugeben, es zuckt auch bei mir noch jedesmal, wenn ich eine deutsche Fahne aus dem Fenster hängen sehe. Es scheint, als habe der Fußball den Deutschen in diesem Sommer geholfen, uns nach sechzig Jahren in der Beziehung zu unserem Land endlich mal wieder einzukriegen und zu einer gesünderen Sicht auf uns selbst zu finden.

Sport ist also gesund?

Heppner: Mir ist das schon 2004 bei meiner Recherche für den Titel ?Wir sind wir? aufgefallen - ein Song zum Thema ?Das Wunder von Bern?: Der Fußball-Sieg 1954 über Ungarn war für die Deutschen nicht deshalb so wichtig, um der Welt etwas zu beweisen, sondern uns selbst. Er war ein Signal an uns: ?Gemeinsam können wir das!?

Der Titel war ein Riesen-Publikumserfolg, für viele Kritiker aber auch - als ?Einbruch des Nationalismus in die Popkultur? gegeißelt - ein Skandal.

Heppner: Es war uns von vornherein klar, daß es Protest geben würde, wir hatten ehrlich gesagt sogar mit mehr gerechnet. Der Vorwurf des Nationalismus ist aber konstruiert, was man auch an den positiven Reaktionen im Ausland sehen kann. Gerade erst habe ich ein kanadisches Fernsehteam zum Interview hier gehabt, die von mir etwas über Deutschland erfahren wollten. In einem Brief aus Portugal wird das Lied als ?tolle Werbung für Deutschland? bezeichnet. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.

?Wir sind wir! Wir stehen hier! Aufgeteilt, besiegt und doch - schließlich leben wir ja noch.? Dazu zeigte der Videoclip - sehr suggestiv und emotional komponiert - Bilder vom Wiederaufbau Deutschlands: Trümmerfrauen, Aufbau, WM 1954, Fall der Mauer und Wiedervereinigung.

Heppner: Wir wollten damit deutlich machen, daß wir Deutschland seit 1945 doch ganz gut hinbekommen haben, daß ein positiver Bezug zum eigenen Land für uns Deutsche möglich ist.

Aber denken Sie doch ...

Heppner: ... an die vielen alten und neuen Nazis, an Antisemismus und Fremdenfeindlichkeit? Ja, all das gibt es auch in Deutschland. Aber vergleichen Sie doch einmal international: Kaum ein Land hat die letzten sechzig Jahren eine so stabile und verwurzelte Demokratie gehabt wie unseres. Und gerade der Blick zu anderen lehrt, daß wir zum Glück vergleichsweise wenig Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit haben.

Bei ?Wir sind wir? geht es sowenig um den Stolz auf den Wiederaufbau wie bei der WM um den Sieg. Es geht um das Erlebnis der Gemeinschaft, die durch die Herausforderung geformt wird.

Heppner: Jeder hat ?Wir sind wir? anders interpretiert. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Satz ?Wir sind wir? ist eine so grundsätzliche Aussage, daß er in seinem Minimalismus geradezu dazu einlädt, durch Interpretation noch Bedeutung hinzuzufügen.

Mag sein, aber Sie lenken ab: ?Wir sind wir? ist in Deutschland - etwa seit 1968 - ein Satz, den man sowenig gesagt, wie man die Fahne aus dem Fenster gehängt hat. Ihr minimalistischer Satz war ein maximaler Tabu-Bruch.

Heppner: Das Problem ist, daß die Diskussion in Deutschland in den letzten Jahrzehnten so geführt wurde, daß jede Äußerung von Patriotismus als politische Stellungnahme aufgefaßt wurde: ?Moment mal, da demonstriert jemand seine konservativer Gesinnung!?

Und jetzt?

Heppner: Spätestens seit dieser WM kann man das eben nicht mehr sagen. Leute mit der unterschiedlichsten politischen Gesinnung haben doch die Fahnen und Fähnchen aufgezogen.

Genau das hat manchen Linken wie Rechten nicht gepaßt: Wer die Fahne aufzieht, hat automatisch die falsche Gesinnung, bzw. nur wer die richtige Gesinnung hat, darf das.

Heppner: Wenn klassischer Weise ?Patriotismus? die Liebe zum eigenen Land ist, dann kann er gar nicht mit einer spezifischen politischen Gesinnung einhergehen. Denn sonst könnte er seine Funktion, eine Nation zu einen, nicht erfüllen. Schließlich werden in einem Volk die Menschen immer unterschiedliche politische Anschauungen haben.

Was ist Patriotismus für Sie persönlich?

Heppner: Für mich ist das der positive Bezug zur eigenen Gemeinschaft, der verhindert, daß man sich in dieser großen, komplexen und vielschichtigen Welt verliert: Ein Heimatgefühl, weil man weiß, wo man zu Hause ist, und die Menschen hier so sind wie man selbst. Natürlich ist das immer auch eine Illusion, aber das macht nichts, das Leben ist schon so kompliziert genug.

Für die ?FAZ? sind Sie laut einer Kritik von Georg Diez, die später dann auch bei ?Spiegel online? erschien, ein ganz finsterer Rauner und Dräuer, ein Romantiker und Schicksalsergebener - mit einem Wort, ein unbewußter Gegenaufklärer und Verführer. In der Sprache der politischen Philosophie des 19. Jahrhunderts würde man sagen: Sie sind deutsch.

Heppner: Das Problem dieser Leute ist, daß meine Texte keinen Beweis für ihre Anschuldigungen hergeben, also konstruieren sie etwas, was angeblich zwischen den Zeilen zu finden ist. In den neunziger Jahren warfen sie Joachim Witt und mir wegen unseres Titels ?Die Flut? Faschismus vor, in den 2000ern nun Nationalismus. Heute regt sich kein Mensch mehr über ?Die Flut? auf, und vermutlich spätestens seit der Patriotismus-Welle dieser WM auch kein Mensch mehr über ?Wir sind wir?.

Welche Rolle spielt die deutsche Kultur- und Geistesgeschichte für Sie als Künstler?

Heppner: Ich habe tatsächlich eine Schwäche für das 19. Jahrhundert, aber beileibe nicht nur für die deutschen Künstler dieser Zeit. In der Tat möchte ich mich als Künstler auf Deutschland beziehen können - nicht aus nationalistischen Gründen, sondern weil das mein kulturelles zuhause ist. Ich war früher jahrelang der Meinung, ich darf nur in Englisch singen. Nein, das war ein Irrtum!

Empfinden Sie sich in einer spezifisch deutschen Kulturtradition stehend?

Heppner: Ich sehe diese Kulturtradition in der deutschen Sprache. Ich halte die deutsche Sprache nicht für etwas Überlegenes, aber schon für etwas Besonderes. Es ist vermutlich kein Zufall, daß zum Beispiel Franzosen und Italiener bessere Maler, wir eher bessere Dichter und Denker hatten. Unser Problem ist, daß unsere reichhaltige Kulturtradition durch den Nationalsozialismus wie abgeschnitten ist. Und das so radikal, daß die Deutschen heute sich gar nicht mehr daran erinnern, was einmal ihre wirklich deutsche Tradition war. Das Dritte Reich sehe ich dagegen eigentlich ganz und gar nicht in unserer kulturellen Tradition stehend. Und folglich schenke ich dem auch keinen Glauben, wenn heute oft der Eindruck erweckt wird, als sei das, wofür das Dritte Reich stand, typisch deutsch. Zum Beispiel beim Thema Fremdenfeindlichkeit: Es wird gern so getan, als sei das unsere historische Tradition. Die Deutschen sind traditionell fremdenfeindlich! So ein Unsinn, wer das behauptet, hat keine Ahnung. Das haben sich die Nazis so gewünscht, und heute tun ihnen unglücklicherweise noch immer viel zu viele von linker Seite den Gefallen und reden uns ein, das träfe tatsächlich zu. Ich würde gerne an das ganz andersartige Deutschland vor 1933 anknüpfen, auch weil das Deutschland nach 1933 nicht mehr viel mit Deutschland zu tun hat.

Können Sie auch schon den entsetzten Aufschrei hören: ?Heppner will das Dritte Reich ausblenden!?

Heppner: Ich will nichts ausblenden, ich finde die kritische Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich sehr, sehr, sehr gut! Ich bin nur dagegen, daß wir uns immer nur auf die zwölf Jahre Nazis fixieren, wenn es um die deutsche Geschichte und Kultur geht. Als ich vor zwanzig Jahren meine ersten Gehversuche in puncto politischem Denken gemacht habe, fand ich es gut und richtig, daß die Deutschen wegen der Zeit des Nationalsozialismus auf Patriotismus verzichten. Dann hatte ich zwischenzeitlich meine Probleme damit: Denn in der Realität hieß das, daß man sich gar nicht mehr auf Deutschland beziehen durfte und immer und ständig bei allem übervorsichtig sein muß, sogar dann, wenn es überhaupt nichts mit Nationalismus zu tun hatte. Man wagte ja kaum mehr in der Öffentlichkeit das Wort Deutschland in den Mund zu nehmen. Irgendwann wurde es wirklich albern. Die Diskussionen, die sich aus diesen Selbstverboten ergaben, waren in der Regel längst nicht mehr dem Thema angemessen. Da wurde zumeist nur noch über Unterstellungen diskutiert, die nichts mehr mit dem ursprünglich Gemeinten zu tun hatten.

Warum passierte das?

Heppner: Ich hatte oft das Gefühl, daß viele Leute diese Diskussionen dazu benutzten, um für sich ein moralisches Alibi zu schaffen, um aus dem Schneider zu sein, um sagen zu können: ?Ich war es doch, der diese Diskussion so und so geführt hat!? Oder: ?Ich war es doch, der den und den wegen seiner Deutschland-Äußerungen angeklagt hat!? Heute nehme ich in dieser ganzen Frage eine Mittelposition ein: Ich bin gegen diese übertriebene Deutschlandfurcht, aber ich finde es gut, daß wir unsere Nationalität und unseren Patriotismus reflektieren. Ich sehe uns Deutsche mit dieser Errungenschaft sogar im Vorteil gegenüber anderen Ländern wie etwa den USA, denen das auch mal ganz guttäte.

Für besagten Georg Diez sind das alles nur Beschwichtigungen, er kritisiert Ihre ?Mittelposition? als ?historisch abwaschbar?, Sie zelebrierten naiv die Nation gegen die ?Kausalität? der Geschichte.

Heppner: Auch wenn wir keine Deutschen mehr sein wollen, für alle anderen werden wir immer Deutsche bleiben! Und selbst wenn Europa vereint ist und es keine Grenzen mehr gibt, wird weiter gelten: Das ist ein Italiener, das ein Franzose und das ein Deutscher. Aus der Nation kommen wir gar nicht raus. Und das ist auch gut so, denn wir wollen doch nicht, daß alles vereinheitlicht wird. Wir wollen doch die Vielfalt der Kultur in Europa erhalten. Ich jedenfalls möchte nicht, daß wir auch nur auf eine Sprache oder eine Kulturlinie verzichten, weil wir meinen, mal alles kräftig durchmischen zu müssen.

Dann stellt sich aber die Frage, ob Sie auf der Linken gut aufgehoben sind.

Heppner: Einerseits ja, denn ich finde, daß wir Linken den Anspruch haben sollten, auch für unsere Nation zu stehen. Dies den Rechten überlassen zu haben, betrachte ich als einen Fehler. Andererseits, wenn ich den klassischen linken Internationalismus zugrunde lege, dann ist dieser auch nichts anderes als eine Form der Globalisierung - nur unter anderen Vorzeichen. Also muß ich mich in der Tat ehrlicherweise fragen, wie ich das Ziel der Erhaltung der Kulturräume mit meiner Position als Linker vereinbaren kann.

Und, wie tun Sie das?

Heppner: Schwierig, ich habe darauf noch keine endgültige Antwort gefunden. Das Problem erfordert wohl, daß man sich damit auseinandersetzt, und das ist von der Linken verpennt worden. Die Staats-, National-, und Kulturdebatten hat sie anderen überlassen. Nicht sehr schlau.

Sie haben beschrieben, wie Sie erst im Lauf der Zeit die Nation entdeckt haben - etwas früher allerdings als andere ?linke Entdecker? wie derzeit Matthias Matussek oder Florian Langenscheidt. Wie aber gedenken Sie und Ihre Mitentdecker mit den ?Ureinwohnern? dieses Landes, den ?Rechten?, umzugehen? Werden Sie es wie die Spanier machen und sie ausrotten?

Heppner: Von Voltaire stammt der Satz: ?Ich verabscheue, was Sie sagen. Ich werde aber Ihr Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen.? Natürlich möchte ich nicht, daß die Inhalte der Rechten politisch umgesetzt werden, und alles, was sich selbst als von Natur aus überlegen und anderes für minderwertig erklärt, finde ich inakzeptabel. Aber ich finde grundsätzlich auch, daß es richtig ist, daß jeder für seine Meinung stehen darf. Und jenseits des Chauvinismus gibt es auch ein rechtes Spektrum, das - auch wenn es mir nicht paßt - sagen dürfen muß, was es denkt. Ich finde, es soll es sogar sagen! Gerade aus demokratischer Sicht ist es wichtig, daß diese Rechten sich artikulieren! Denn schließlich sind auch sie ein Teil unserer Gesellschaft. Die Linke kann sie nicht verbieten und ausgrenzen, sondern hat sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, daß man das, was sie sagen, nicht einfach abtut, sondern sich den Argumenten stellt. - Natürlich vom linken Standpunkt aus: um sie am Ende möglichst zu überzeugen.

Alarm! Sie haben soeben den antifaschistischen Konsens verletzt.

Heppner: Nein, gerade aufgrund unserer Geschichte bin ich als Linker dazu verpflichtet: Gerade als Linker habe ich nicht das Gespräch abzubrechen, keine Bücher zu verbieten, darauf zu verzichten, Debatten mit Totschlagargumenten zu ersticken. Daß das problematisch ist, gebe ich zu, und auch daß ich manchmal wirklich ratlos bin, wie man angesichts bestimmter Probleme richtig reagieren soll. Aber ich bin doch der Demokrat, und ich habe die Werte der Demokratie, indem ich sie überzeugend vorlebe, mit Leben zu erfüllen.



Peter Heppner ist seit 1991 durch sein Projekt Wolfsheim, aber auch durch zahlreiche Gastauftritte (Schiller, Goethes Erben), vor allem aber durch seine Zusammenarbeit mit dem 2005 zum ?populärsten DJ der Welt? (DJ-Magazine) gewählten Paul van Dyk bekannt geworden. 1998 produzierte er zusammen mit Joachim Witt den Skandal-Hit ?Die Flut?, 2004 - ursprünglich als Auftragsarbeit für die ZDF-Dokumentation ?Das Wunder von Bern. Die wahre Geschichte?, für die der Titel aber nicht mehr rechtzeitig fertig wurde - den Plattenerfolg ?Wir sind wir. Ein Deutschlandlied? (Urban/Universal Music). Linke Kritiker sehen in Musikern, die sich wie Heppner, Mia oder Fler positiv auf das eigene Land beziehen, eine gefährliche ?Nationalisierung der Popkultur?. Am 3. Oktober 2005 führten Heppner und van Dyk ?Wir sind wir? im Rahmen des offiziellen Festaktes zum Tag der Deutschen Einheit zusammen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg auf. Geboren wurde Heppner 1967 in Hamburg.

Freitag, 19.05.2006

Barbarisch!

Am 30. Mai 1968 wurde die Leipziger Universitätskirche gegen den Widerstand vieler Leipziger Bürger gesprengt. Dies war ein politischer Willkürakt, der in Leipzig tiefe Spuren hinterlassen hat.

Freitag, 07.04.2006

Mehr Intoleranz wagen

Warum das Experiment des Multikulturalismus menschenverachtend ist, wird immer offenbarer
Doris Neujahr

Den Multikulturalismus ein gescheitertes Konzept zu nennen, ist eine Verharmlosung! Es handelt sich um eine menschenverachtende, asoziale, volks- und staatsfeindliche, antidemokratische und gewalttätige Praxis!

Er ist menschenverachtend, weil er die Folgekosten den Schwächsten aufbürdet, so den Kleinrentnern der Wiederaufbaugeneration, die nicht das Geld haben, um aus ihren angestammten, jetzt entfremdeten und gefährlich gewordenen Stadtvierteln wegzuziehen. Zusätzlich sind sie dem Hohn und den Belehrungen seiner Nutznießer und Mitläufer ausgeliefert, für die der Multikulturalismus Beruf und Einnahmequelle, eine Waffe im Kampf um Macht und Geld und ideologische Befriedigung ist.

Er ist asozial, weil er die Grundlagen zivilisierten Zusammenlebens zerstört und durch Sozialdarwinismus ersetzt. Er bringt die Sozialsysteme zum Bersten, indem er Unberufenen massenhaft Zugang zu ihnen verschafft und den ehrlichen Beitragszahler in die Position des dummen August versetzt.

Er ist volksfeindlich, weil er den Deutschen von innen her den Raum abspenstig macht, in dem sie leben. Arnold Gehlen spricht mit Bezug auf den Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeld von der Notwendigkeit ?raumgebundener Intoleranz?, dem autochthonen Beharren auf einer Rangordnung der Werte, die eine gewisse Stabilität der Sozietät sichert. Weil die Deutschen sich diesen Überlebensinstinkt nach dem Willen der Multikulturalisten versagen müssen, pflanzen eben andere ihr Sittengesetz auf und formen die Sozietät nach eigenen Vorstellung um. Deutsche Schüler assimilieren sich bereits an den sprachlichen Infantilismus von Migrantenkids, um nicht Zielscheibe von Prügelattacken zu werden.

Der Multikulturalismus ist staatsfeindlich, weil er die staatlichen Institutionen: Haushalt, Bildungseinrichtungen, Rechtspflege (in den 1990er Jahren drehten sich 60 Prozent aller Verwaltungsgerichtsverfahren um das Asylrecht) usw. usf. unterminiert. Er ist demokratiefeindlich, weil er auf den Willen des Demos spuckt. Er ist gewalttätig, weil er die Staatsbürger nicht bloß als politische Subjekte mißachtet, sondern sie moralisch und geistig zu verkrüppeln versucht und weil er danach strebt, die Existenz seiner Kritiker zu vernichten.

Indem die Lehrer der Berliner Rütli-Schule ? weitere Lehrkörper haben sich angeschlossen ? an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben sie den Vorhang der Lügen und Beschwichtigungen weggerissen. Lehrer neigen überwiegend den Grünen und der SPD zu, Parteien, die den Multikulturalismus forcieren. Die menschenverachtenden Praktiken und Demütigungen, denen sie an der multikulturellen Basis ausgesetzt sind, haben sie veranlaßt, aus Angst um ihre physische und psychische Gesundheit die politische Loyalität aufzukündigen.

Nun eilen sie herbei, die Politiker, Migrationsexperten, Integrationsbeauftragten und Journalisten ? all jene, die den Zustrom ganzer Unterschichtenmilieus und die Etablierung aggressiver Konkurrenzgesellschaften (der Begriff ?Parallelgesellschaften? stellt gleichfalls eine Verharmlosung dar) politisch und propagandistisch ermöglicht haben. Jahrelang haben sie sich gegenseitig ?Toleranzpreise? zu- und Kampagnen gegen ?Ausländerfeindlichkeit? angeschoben.

Es ist ja nicht bloß die Politik, die versagt hat. Die ARD strahlt gerade eine Vorabendserie aus, die den Zuschauer darüber informiert, daß Multikulti eine total normale und, abgesehen von ein paar Herz-Schmerz-Problemen, eine echt lustige Angelegenheit ist. Um sich ehrlich zu machen, müßten sie alle erklären: ?Wir haben fertig!? Sie werden aber weitermachen, schließlich ist es ihr Broterwerb, Probleme zu bearbeiten, die durch ihr Tun und ihre Unterlassungen überhaupt erst entstanden sind. Dazu braucht es neue Konzepte, Planstellen und Geld, viel Geld. Wir wissen nun, weshalb die Sanierung des Haushalts und der Sozialsysteme trotz Erhöhung der Mehrwertsteuer eine Illusion bleibt.

Nein, sie werden nicht umdenken, sondern alles nur noch schlimmer machen, wenn man sie denn läßt. Das gegliederte Schulsystem soll abgeschafft, sogenannte Problemschüler auf Schulen verteilt werden, die noch funktionsfähig sind. Damit das Bildungs- und Verhaltensniveau auch dort umgehend absinkt, denn natürlich werden nach sozialdarwinistischer Logik nicht die lernwilligen und pazifizierten, sondern die gewaltbereiten Schüler den Ton angeben. Bedenkenlos werden Kinder ? und zwar Kinder anderer Leute, denn diejenigen, die das fordern, sind überwiegend kinderlos oder schicken ihre Kinder auf bessere Schulen ? als Bausteine der multikulturellen Versuchsanordnung bzw. als Kanonenfutter einer im Grundsatz verfehlten Politik verplant, damit die Schuldigen bis zum Renteneintritt in Ämtern und Pfründen verbleiben können.

Andere schlagen einen ?Integrationsvertrag? zwischen dem Staat und den Ausländern vor. Der Begriff ist eine Irreführung, denn ein Vertrag setzt die Vertragsfreiheit voraus, und zwar für beide Partner. Die nach Deutschland gekommenen Ausländer haben ihre Wahl ? das deutsche Sozialsystem ? getroffen. Wenn der deutsche Staat von vornherein auf das Recht verzichtet, sie als Partner abzulehnen, besiegelt er den Zustand vollendeter Erpressung, in dem er sich jetzt de facto befindet.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, 33, Politologe, der außer dem Politikbetrieb kaum eine andere Lebenswelt kennt, hat immerhin begriffen, daß wir einen ?bedrohlichen Zerfallsprozeß erleben?. Doch schon sein nächster Halbsatz enthält nichts als Demagogie oder profundes Unwissen. Heil behauptet, die ?sozialen Schichten? würden ?auseinanderdriften?. Es kann nicht ?auseinanderdriften?, was nie zusammengehört hat. Außerdem wird der Konflikt zwischen inkompatiblen Lebenswelten auf ein soziales Problem reduziert und damit vorgegaukelt, er sei durch Sozialtechnik lösbar. Und wieso ist der deutsche Steuerzahler überhaupt verpflichtet, den Verbleib von integrationsunwilligen und -fähigen Großfamilien zu finanzieren, die sein Land und ihn selbst verachten?

Das aber ist die Kernfrage. Sie zu stellen, bedeutet, das Politische wiederzuentdecken. Das setzt die Abkehr vom negativen, autoaggressiven Vorbestimmungsglauben voraus, der Deutschland erfüllt. ?Weltlich gesprochen ist der Prädestinationsglaube aber nur die Steigerung des Bewußtseins, einer anderen als einer zum Untergang verurteilten, korrupten Welt anzugehören?, wußte schon Carl Schmitt. Die Multikulti-Anhänger in Politik, Medien und Gesellschaft dagegen meinen, das ?Finis Germaniae? selber herbeiführen zu müssen.

Mittwoch, 11.01.2006

Kein Aufstand der Hungernden

Frankreich wird bewußt: Die Unruhen 2005 waren nicht sozial, sondern ethnisch-religiös motiviert
von Jean-Paul Picaper

Anfang November 2005 erlebte Frankreich Straßenschlachten bisher unbekannten Ausmaßes, die den Pariser Studentenaufstand vom Mai 1968 weit in den Schatten stellten. Die neue Stadtguerilla erstreckte sich auf alle Großstädte aber kaum auf die Stadtzentren, während die Studentenkrawalle von 1968 die Pariser Stadtmitte als Schlachtfeld gewählt hatten. In beiden Fällen waren die Rebellen ?jüngere Semester?, aber diesmal sammelten unter ihnen Kinder von zehn Jahren aufwärts Erfahrungen für spätere Schlachten. Damals handelte es sich um eine Rebellion von oft wohlhabenden, verwöhnten Kindern der französischen Bourgeoisie. Ganz anders schien es diesmal zu sein, da die Meuterei in den armen Stadtgürteln tobte.

So ließ man verlautbaren, daß die Beweggründe die Armut und die Perspektivlosigkeit waren, in welcher diese Jugend aufwächst. Nur mit noch mehr Zuschüssen könne man die Wogen glätten! Die Gutmenschen holten ihre soziale Rhetorik hervor und labten sich daran. Schuldig waren nicht die Chaoten, sondern Staat und Gesellschaft. Zugegeben, die Jugendarbeitslosigkeit ist in Frankreich hoch und diese Jugend lebt am Stadtrand in Unterprivilegierten-ghettos. Aber die Mehrheit der Aufständischen besaßen Handys, mit denen sie ihre Aktionen koordinierten. Sie hungern nicht, sie sind altersgemäß gut gekleidet, sie sehen gesund und kräftig aus. Es ist eine Frage der ?political correctness?, nicht darauf hinzuweisen, daß es ihnen wesentlich besser als in den Staaten geht, woher ihre Eltern gekommen waren.

Daß bei vielen, insbesondere bei den jüngeren, gar keine tiefere soziale Motivation, sondern ein lustvoller Zerstörungsdrall der Anlaß war, schien für die Denker im Lande keine erstrebenswerte Diagnose zu sein. Offensichtlich ließen sich aber viele dieser Jugendlichen einfach von dem Drang leiten, an einem aufwühlenden Kollektiverlebnis teilzunehmen, der den Plebs ergreift, wenn die staatliche oder gesellschaftliche Autorität zurückweicht. Seit Jahrzehnten verhalten sich die französischen Behörden in den betroffenen Bezirken wie Vertreter eines ?failed state? ? eines zerrütteten Staates. (Die US-Diplomatie spricht von ?failed state? im Falle von Ländern, in denen sich jede Ordnung aufgelöst hat.) So entsteht eine Spielwiese für den jugendlichen Spaß an der Gewalt. Für die Mehrheit dieser Jugendlichen war dieser Aufstand hauptsächlich Sport. Kaum jemand scheint bei dieser anhaltenden Meuterei mit riesigem Zerstörungspotential das totale Fehlen junger Frauen in den Reihen der Aufständischen beobachtet zu haben ? anders als 1968. Ursache war freilich deren geringere Gewaltbereitschaft, aber selbst bei Interviews mit Anhängern der Rebellion waren kaum Mädchen zu sehen. Es lag vor allem daran, daß die Meuterer Moslems sind. Bei ihnen dürfen die Frauen keinen Anteil am öffentlichen Leben nehmen. Moslemische Mädchen werden von ihren Familien isoliert. Um so erfreulicher ist es, daß es vielen von ihnen gelingt, die Vorteile der freien Gesellschaft wahrzunehmen und sich durch die Inanspruchnahme von Aufstiegs- und Einstiegschancen vom Joch des mohammedanischen Kodex zu befreien. Die Integration der Mädchen aus jenen ?Banlieues?, auch und vor allem der Farbigen unter ihnen, ist weiter gediehen als bei ihren Brüdern. Den Mädchen bietet die Demokratie eine zivilisatorische Chance, obgleich heute in moslemischen Kreisen ein Rückfall in die Primitivität stattfindet ? am Tragen des Kopftuchs sichtbar. Für die jungen Männer sind dagegen die Verhaltensregeln des Islam von Vorteil, weil sie ihre sexuelle Vormacht sichern.

Es gibt das, was man nicht sieht und das, was man nicht sehen darf. Nach bewährter Methode wurde in den Medien und in der Politik von ?les jeunes?, ?den Jugendlichen? gesprochen, die Autos in Brand steckten und Geschäfte demolierten. Dabei konnte jeder am Bildschirm sehen, daß die Täter ausschließlich Maghrebiner und Schwarzafrikaner waren. Das kann einer der Gründe sein, warum die Medien allmählich von dem Thema ließen ? selbst in der Silvesternacht, als 450 Autos in Brand gerieten. Diese Realität der Medien bringt das Problem zu sehr ins Bewußtsein der Stammfranzosen. Bloß nicht zugeben, meint die Regierung, daß diese Revolte ein Kulturschock war. Und mit seinen vielgeschmähten Worten ?Ab-schaum? oder ?Hooligans? erfaßte selbst Nicolas Sarkozy nicht die ganze Problematik. Die Kriegslist der Meuterer orientierte sich tatsächlich an der palästinensischen Intifada: die Akteure sind kleine oder mittlere bewegliche Gruppen von Steine oder Molotowcocktails werfenden Jugendlichen. Mai 1968 hatte sich dagegen mit der Errichtung von Barrikaden an die französische Tradition gehalten. Die Revolte von 2005 war ethnisch-religiös und ein Beweis für das Scheitern des französischen ?melting pot?, der ?Assimilation?, geschweige denn ihres Gegenteils, der Multikultigesellschaft.

Auch die Inhalte waren Intifadakonform. Ein russischer Kollege aus Berlin und sein Kameramann wurden in Lyon-Vénissieux von sechs vermummten Steinewerfern lebensbedrohend angegriffen. Sie verdankten nur der Flucht mit ihrem schnellen Wagen ihr Leben. ?Das geht hier seit Jahren so?, gestand ihnen der Polizeikommissar. Ausländische Journalisten haben beobachtet, daß vorrangig Autos der ?Weißen? angegriffen wurden, während Parolen liefen, daß man die Wagen der ?Blacks? und der ?Moslems? schonen sollte. Zahlreiche Meuterer trugen Abzeichen, die dem Islam oder dessen Helden wie Osama bin Laden huldigen. Manche haben den Kriegsruf ?Allahu Akbar? gehört. In diesen Jugendbanden der postmigrantischen Gesellschaft schmückt man sich mit Stickern, die Sprüche aus dem Koran, das Bild der Kaaba oder die Konturen des afrikanischen Kontinents zeigen. Impulse gibt auch die Rap-Musik, die immer wieder Frankreich als eine ?sexuelle Beute? darstellt. Der anerkannte französische Philosoph Alain Finkielkraut äußerte, daß diese Revolte nicht sozialwirtschaftlich, sondern ethnisch-religiös ist und erhielt dafür Prügel. Der Mythos der ?einen und unteilbaren Republik? bricht auseinander.

?Unser Problem?, sagte bereits ein französischer Politiker in einer Rede am 19. Juni 1991, ?sind nicht die Ausländer, das Problem ist die Überdosis, die ?Overdose?. Es stimmt vielleicht, daß es bei uns nicht mehr Ausländer als vor dem Zweiten Weltkrieg gibt, aber es sind nicht die gleichen und das macht den Unterschied. Sicherlich ist es weniger problematisch, wenn Spanier, Polen und Portugiesen bei uns arbeiten, als wenn es Moslems und Schwarzafrikaner sind.? Dieser Politiker hieß Jacques Chirac.

Mittwoch, 28.12.2005

Das ist eine Schande!

Aus der LVZ vom 28. 12. 2005

Senioren ohne Weihnachtsgeld

Leipzig. Den Angehörigen zu Weihnachten keine Freude mehr machen zu können - an diese bittere Erfahrung mussten sich über die Feiertage acht Bewohner des Seniorenheims "Dr. Margarete Blank" der Arbeiterwohlfahrt in Leipzig gewöhnen. "Die alten Leute haben es schweigend hingenommen", sagt Heimleiterin Antje Grusa. "Noch nicht einmal mehr dem eigenen Enkel etwas schenken zu können, ist für die Betroffenen eine Demütigung."
Bisher gab es für die Sozialhilfeempfänger in den Alten- und Pflegeheimen zusätzlich zu ihrem monatlichen Taschengeld von rund 80 Euro noch ein Weihnachtsgeld zwischen 30 und 35 Euro für kleine Geschenke, Weihnachtskarten oder Telefonate. Mit der bundesweiten Pauschalisierung der Sozialhilfe zum 1. Januar 2005 fällt dieser Betrag in einigen Bundesländern nun zum ersten Mal weg: Neben Sachsen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Bremen.

In der Zuständigkeit des Kommunalen Sozialverbands (KSV) Sachsen mit Sitz in Leipzig sind knapp 11 000 Senioren von der Streichung der Weihnachtsbeihilfe betroffen, das sächsische Sozialministerium schätzt die Zahl der Betroffenen landesweit auf rund 20 000.

"Der erhöhte Grundbetrag zum Lebensunterhalt der Sozialhilfeempfänger enthält bereits Beiträge für besondere Anlässe", erklärt KSV-Amtsleiter Rolf Ernst. Der Gesetzgeber schreibe die Zahlung des Weihnachtsgeldes nicht explizit fest, daher sehe er auch keinen Handlungsbedarf:"Solange keine anders lautende richterliche Entscheidung vorliegt, wird es bei der Streichung bleiben", so Ernst.

Für Joachim Hagelskamp vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband ist die wegfallende Beihilfe "ein riesiges Ärgernis". Die monatlich rund 80 Euro, die die Heimbewohner zur Verfügung hätten, ließen keinen Spielraum für Rücklagen: "Die Senioren müssen davon nicht verschreibungspflichtige Medikamente, Toilettenartikel, den Frisör und die Tasse Kaffee bezahlen - umgerechnet haben sie dafür weniger als drei Euro am Tag zur Verfügung", so Hagelskamp. Zu Weihnachten könnten sie daher nicht auf Angespartes zurückgreifen.

Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen, findet es "bedauerlich, dass bei den Armen der Ärmsten auch noch gekürzt wird". Die Diskrepanz zwischen der funkelnden weihnachtlichen Glitzerwelt in den Kaufhäusern und der strittigen Summe sei erschreckend. "Fällt dieser minimale Betrag auch noch weg, ist das Signal an die alten Menschen eindeutig: Du gehörst nicht in unsere Gesellschaft und das soll auch so bleiben." Wenn der Zuschuss sogar im hoch verschuldeten Berlin ausgezahlt werden könne, müsse dies doch auch in Sachsen möglich sein: "Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich Städte und Kommunen wenigstens nächstes Weihnachten zu diesem Betrag durchringen könnten", betont Schönfeld.

Montag, 26.12.2005

Wen hat Horst Köhler gemeint?

Aus der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten:

"...Ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Anständigkeit und Redlichkeit im täglichen Umgang können uns wirklich nicht schaden..."

Donnerstag, 10.11.2005

Politik verursacht Brechreiz und Erbrechen, ich war vier Wochen "krank"

Der lange Arm der alten Genossen
Leipzig: Eine ehemalige Lehrerin kämpft gegen den DDR-Doping-Experten Winfried Schäker ? und landete dafür sogar hinter Gittern
von Klaus Peter Krause


Die DDR gibt es seit fünfzehn Jahren nicht mehr, und doch wirkt sie unselig noch immer nach. Der folgende Fall, über den am vergangenen Freitag vor dem Landgericht Leipzig verhandelt wurde, ist einer von vielen, in denen die Täter von einst weiterhin Täter und die Opfer weiterhin Opfer bleiben.

Die Hauptrolle spielt der einstige DDR-Doping-Experte Winfried Schäker, der nicht an seine Doping-Vergangenheit im DDR-Sport erinnert werden will. Schon gar nicht sollen andere davon erfahren. Weil die frühere Sport- und Biologielehrerin Claudia Iyiaagan-Bohse die Leipziger Stadtväter im Dezember 2004 auf ebendiese Vergangenheit hinwies, landete sie Mitte August hinter Gittern. Daß es zur Inhaftierung kam, ist Schäkers Werk. Schäker ist Biochemiker und Neurophysiologe und hat im einstigen SED- und Stasi-Staat bis zur Wiedervereinigung über viele Jahre am geheimen Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) in Leipzig gearbeitet, wo er das Labor für Hormonforschung leitete. Berüchtigt ist das einstige FKS, weil es mit Doping-Mitteln experimentierte. Diese Aufputschmittel wurden den DDR-Sportlern mehr oder minder zwangsweise (teils auch ohne deren Wissen) verabreicht, damit sie für den SED-Sozialismus auf internationaler Sportbühne von Sieg zu Sieg eilten.

In diesem körperverletzenden, menschenverachtenden und international verbotenen Doping-System war Schäker alles andere als unbedeutend. Dokumentiert ist seine Rolle zum Beispiel in dem Buch von Brigitte Berendonk ?Doping ­? Von der Forschung bis zum Betrug (Rowohlt, 1992). Die Autorin war in der DDR selbst Doping-Opfer und ist heute verheiratet mit dem Heidelberger Molekularbiologen und Doping-Experten Werner W. Franke. In ihrem Buch wird Schäker bei seiner Doping-Arbeit als besonders emsig dargestellt. Seine makabren Verdienste in der Doping-Forscherriege der DDR werden ausführlich beschrieben. Dabei stößt der Leser auf Seite 236 auch auf diese Schilderung: ?Aber ein Systematiker wie Schäker beschränkte sich nicht nur auf das schlichte Verabreichen der Dopingsubstanzen und auf die Beobachtung der Wirkungen. Er hatte sich dem totalen Doping gewidmet und arbeitete höchstpersönlich an der Verbesserung der Darreichungsform und der Akzeptanz bei den Sportlern. Bevorzugten sie etwa ein Nasenspray oder doch lieber Tabletten in der Backentasche (bukkales Doping), sollten es dicke oder flache Tabletten sein und mit welcher Geschmackrichtung? Schäker ließ wirklich nichts unversucht, den Sportlern das Oxytocin schmackhaft zu machen, experimentierte verbissen mit Minze und Menthol, mit Eukalyptus und Krokant.?

In Studien und Schriften, nicht zuletzt in seiner eigenen Habilitationsschrift, kann man noch mehr über Schäkers Treiben erfahren. Auf der Internet-Seite des Leichtathleten Dieter Baumann war Bohse auf den Satz gestoßen: ?Professor Winfried Schäker aus Leipzig reicherte Kaugummis und Zahnpasta mit anabolen Steroiden an, um sie doping-unwilligen Athleten verabreichen zu können.? Diesen Satz druckte sie aus und gab am 7. Dezember 2004 Kopien im Leipziger Rathaus ab: im Büro von Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, in den Sekretariaten aller im Stadtrats-Parteien sowie im Büro des Ausländerbeauftragten.

Die Verteilung des Blattes hatte ihren Grund. Denn am selben Tag sollte Leipzigs Stadtrat über die Städtepartnerschaft mit Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba beschließen, die Schäker intensiv vorangetrieben hatte. Daher wollte Bohse, daß alle Beteiligten vor dem Beschluß Bescheid wußten, wem sie da bisher gefolgt waren. Schäker hatte nämlich sechs Jahre (von 1994 bis 2000) in Addis Abeba verbracht.

Als Gastprofessor in Addis Abeba

Seine Kritiker sagen, er habe sich dorthin abgesetzt, als die Doping-Machenschaften der FKS als öffentliches Thema hochkamen; er habe über sein Mitwirken daran Gras wachsen lassen wollen. In Addis Abeba war er Gastprofessor für Lehrerausbildung. Äthiopien als Fluchtort lag deswegen nahe, weil Leipzig zur DDR-Zeit Ausbildungszentrum auch für äthiopische Akademiker war. Nunmehr stand der einstige Doping-Professor, mutiert zu Leipzigs Äthiopien-Kenner, dem von ihm 2002 gegründeten Verein Städtepartnerschaft Leipzig­ ? Addis Abeba e.V. vor. Auf einem zweiten von Bohse verteilten Blatt stand zu lesen: ?Wer Tätern einer Diktatur größere Aufmerksamkeit schenkt als deren Opfern; Bürgerinnen und Bürgern Grundrechte verwehrt; Menschen in Entscheidungsprozesse nicht einbezieht; wider besseres Wissen das Volk belügt; Unrecht durch neues Unrecht verstärkt, der sollte sich über den Vertrauensentzug der Bevölkerung nicht empören. Sachfragen sind Personalfragen!? Durch beide Blätter fühlte Schäker sich verunglimpft und seinen Ruf geschädigt. Mit einstweiliger Verfügung ließ er Bohse das weitere Verbreiten jenes Satzes untersagen und für den Wiederholungsfall ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro und ersatzweise bis zu sechs Monate Haft androhen. Um diese Verfügung durchzusetzen, legte er dem Leipziger Landgericht eine eidesstattliche Versicherung vor. In ihr bezeichnete er das Zitat von Baumanns Internetseite als falsch und beteuerte: ?Ich reicherte nie Kaugummis oder Zahnpasta mit anabolen Steroiden an, um sie doping-unwilligen Athleten verabreichen zu können.? Diese Äußerung besagt freilich nur, daß nicht er selbst Kaugummi und Zahnpasta angereichert hat, jedenfalls nicht mit anabolen Steroiden. Ob mit anderen Doping-Mitteln, zum Beispiel mit dem Neurohormon Oxytocin, läßt sie offen.

Schäkers Versicherung schafft damit nicht den Kern des Vorwurfs aus der Welt, nämlich seine Doping-Experimente in der DDR an und mit Menschen, damit der Sozialismus auch im Sport siegen sollte. Wegen Körperverletzung belangt werden kann aber nur, wer die Mittel verabreicht hat. Daß er selbst dies getan habe, hat Schäker von sich gewiesen ­ nicht aber, daß seine Doping-Mittel (von anderen) verabreicht werden konnten, sollten und wurden. In dem von Schäker angestrengten und gewonnenen Verfahren wurde Bohse auch dazu verurteilt, die Kosten für das Verfahren zu bezahlen. Sie weigerte sich. Am 15. Juli 2005 stellte das Amtsgericht Leipzig einen Haftbefehl gegen sie aus. Darin hieß es, sie könne die Einlieferung in eine Vollzugsanstalt abwenden, wenn sie bis zum 10. August das Geld zahle. Das tat sie nicht. Der Obergerichtsvollzieher am Leipziger Amtsgericht überzog sie am 11. August mit einer von Schäker betriebenen Zwangsvollstreckung. Da sie nicht zahlen wollte und, weil arbeits- und mittellos, nicht konnte, wurde die 58jährige am 12. August für sechs Monate zur Beugehaft ins Chemnitzer Frauengefängnis gesteckt.

Doch Bohse blieb nicht ohne Beistand. Dieser äußerte sich mit einem Offenen Brief vom 18. August an Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und an die Fraktionsvorsitzenden im Leipziger Stadtrat. Geschrieben hatten ihn Bürgerrechtsgruppen aus Leipzig und Berlin sowie die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft. Mit dem Brief drängten sie die Adressaten, sie sollten sich von einem ?Schreibtischtäter wie Schäker? öffentlich distanzieren und auch den Verein Städtepartnerschaft Leipzig ­Addis Abeba dazu anhalten. Unterschrieben haben den Brief sechs Personen, an erster Stelle die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. In dem Brief heißt es über Schäker unter anderem: ?Seine Arbeit diente einzig und allein dem Zweck, Dopingsubstanzen zur chemischen Leistungsmanipulation im Rahmen des geheimen DDR-Staatsplanthemas 14.25 zu entwickeln. So war er beteiligt an der Entwicklung von sogenannten Steroidsubstanzen, Anabolika, die auch nach DDR-Recht nie für den Gebrauch am Menschen zugelassen waren und dennoch massenhaft selbst an minderjährige AthletInnen verabreicht wurden. Dokumentiert ist das u.a. in einer Studie mit dem Titel ?Zur Anwendung von Steroidsubstanzen im Training und Tierexperiment sowie zur Qualitätsprüfung der STS-Präparate?, deren Erstautor Schäker ist. Sie dokumentiert unethische Versuche an Athleten aus zehn Sportarten, auch an minderjährigen Turnerinnen. Thema seiner Habilitation (?Verbesserung des zentralnervalen und neuromuskulären Funktionsniveaus sowie sportartspezifischer Leistungen durch Oxytozin?, 1980) waren Experimente an Sportlern mit Neurohormonen wie Oxytozin. Damit (nicht mit Anabolika) versetzte er Kaugummi und als ?Vitamin B 17? getarnte Pillen, damit die Athleten nicht bemerkten, daß sie mit Hormonen gedopt wurden. Die schweren Gesundheitsschädigungen durch das DDR-Dopingprogramm, von Wissenschaftlern wie Winfried Schäker vorbereitet und in Kauf genommen, hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2000 als mittelschwere Kriminalität eingestuft.

Wenige Tage später forderte Tiefensee den bisher von ihm gestützten Schäker auf, sich vom Vorsitz des Städtepartnerschaftsvereins zurückzuziehen. Kurz darauf tat Schäker dies und trat auch aus dem Verein aus. Über ihren anwaltlichen Beistand ließ Bohse gegen Schäker Strafanzeige wegen falscher Versicherung an Eides Statt erheben. Zugleich erreichte der Anwalt, daß Bohse seit dem 21. September wieder auf freiem Fuß ist und daß das Landgericht Leipzig für den 14. Oktober eine mündliche Verhandlung anberaumte. Auch Schäker sollte erscheinen. Der aber machte geltend, er sei dann im Urlaub. Nun ist am 4. November verhandelt worden.

Zu denken gibt, daß Schäker nur Bohse mit einer einstweiligen Verfügung überzog, nicht dagegen die Bild-Zeitung, die am 18. Februar 2005 den gleichen Satz zitierte. Auch die Bezeichnung ?Doping-Professor? ließ Schäker ungeahndet. Ebenfalls ungeschoren blieb die Berliner Zeitung, die den Vorgang samt inkriminiertem Satz einen Tag zuvor ausführlich geschildert hatte. Außerdem steht jener Satz über Schäker unverändert noch immer auf Baumanns Internet-Seite (nachzulesen unter www.dieterbaumann.de/reports/12.1999/db04n19.htm ).

Vergeblicher Versuch, sich reinzuwaschen

Schäker muß sich sogar den Ruf ?Hormon-Papst im DDR-System? gefallen lassen. 1991 hatte Schäker schon einmal versucht, sich mit einer einstweiligen Verfügung von seiner Doping-Vergangenheit reinzuwaschen. Vergeblich, das Landgericht Heidelberg wies ihn ab. Bohses Anwalt, der über 160 geschädigte Doping-Opfer vertreten hat ist der Auffassung, man dürfe nach diesem Urteils Schäker ?mit Fug und Recht öffentlich einen Doping-Forscher nennen, der sein gesamtes wissenschaftliches Leben und Engagement den kriminellen Doping-System der ehemaligen DDR gewidmet? habe.

Eine Geschichte für sich ist, warum gerade Bohse so drangsaliert wurde. Das hat mit alten DDR-Kadern zu tun. Diese fühlen sich von der couragierten Frau bedrängt, weil sie seit der Wiedervereinigung von 1990 für Recht und Gerechtigkeit kämpft. Sie wollen sie seitdem zermürben und mundtot machen. Doch obwohl Bohse heute arbeits- und mittellos ist, läßt sie sich den Mund nicht verbieten. Gegen das Landgerichtsurteil vom 4. November geht sie vor dem Oberlandesgericht in die Berufung.

Freitag, 02.09.2005

New Orleans geht unter

Seit Tagen verfolge ich fassungslos die Nachrichten über das Schicksal dieser Stadt, die mir wie keine andere in dieser Welt ans Herz gewachsen ist. New Orleans verkörperte für mich Internationalität, Toleranz, Kultur und noch viel mehr. Jetzt herrschen dort Anarchie und Rassismus.
Der Bundesumweltminister Jürgen Trittin meint, dass die Amerikaner selbst schuld an ihrem Desaster seien, sie hätten das Umweltschutzprotokoll nicht unterzeichnet.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich eine Waffe in die Hand nehme.

Donnerstag, 18.08.2005

Der Dopingprofessor von Filzhausen und die Justiz im Jahre 2005

BerlinOnline Berliner Zeitung
Mittwoch, 10. August 2005

Haft statt fauler Kompromisse
Leipzigerin lehnt Zahlungen an einen Dopingforscher ab
Grit Hartmann

LEIPZIG, 9. August. Bis Freitag will Claudia Iyiaagan noch ein paar Unterlagen sortieren und wenige Sachen packen: "Waschzeug, T-Shirts, zwei, drei Hosen." Dabei wird es ein Abschied für ein halbes Jahr. Claudia Iyiaagan geht ins Gefängnis. Sie weigert sich, rund 1 000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten für ein Verfahren zu übernehmen, das sie verloren hat. "Wenn ich bei Rot über die Ampel fahre, zahle ich", sagt die frühere Sportlehrerin, "aber nicht in diesem Fall."
Den Fall entschied das Leipziger Landgericht im Dezember. Iyiaagan hatte einen Internet-Ausdruck der Seite www.dieterbaumann.de im Rathaus verteilt, mit Informationen über den dort geschätzten Chef des Vereins Städtepartnerschaft Leipzig und Addis Abeba: "Professor Winfried Schäker aus Leipzig reicherte Kaugummis und Zahnpasta mit anabolen Steroiden an, um sie doping-unwilligen Athleten verabreichen zu können." Die Richter urteilten, das sei unwahr, Iyiaagan habe des Professors Ehre verletzt.
Nun hat Schäker tatsächlich eine weniger ehrenwerte Berufsbiografie - und ebensolche Ansichten dazu. Der Professor nämlich versetzte keine Zahnpasta, dafür Kaugummi; zwar nicht mit Anabolika, aber mit einem Neurohormon. Schäker war 1989 Chef-Hormonforscher am geheimen Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) für den DDR-Spitzensport. Er entwickelte leistungssteigernde Substanzen mit, etwa das Anabolikum STS 646, nie zugelassen und dennoch massenhaft an junge Athleten verabreicht. Sein Spezialgebiet: nervales Doping. In seiner Habilitation empfahl er Kaugummi und Pillen mit dem Hormon Oxytocin - in diversen Aromen, damit die Athleten die angeblichen Vitamintabletten auch schluckten. Doch wegen Körperverletzung belangt werden konnte nur, wer Schäkers Erfindungen verabreicht hatte - also Trainer und Ärzte. Schäker verbrachte einige Jahre in Addis Abeba. Seine Forschungsarbeit könne man ihm "doch nicht vorwerfen", meinte Schäker nach dem Urteil gegen Iyiaagan.

"Alte Blockademuster"

Iyiaagan kennt so etwas, und sie kann keinen Kompromiss mehr schließen. Nach 1990 sorgte sie in einer Kommission für die Kündigung belasteter Lehrer und erlebte, wie viele sich in den Schuldienst zurückklagten. In mehreren Jobs, etwa zur Betreuung von Asylbewerbern, legte sie sich mit Behörden an: "Zu viele alte Blockademuster", sagt sie. Im Jahr 2000 wurde Iyiaagan von der Schulverwaltung gekündigt. Vielleicht ist man nach derlei Erfahrungen besonders frei. Oder besonders gebunden. Manchmal liegt das nahe beieinander. Um die Hintergründe ihrer Kündigung zu klären, stellte Iyiaagan zahlreiche Anträge auf Akteneinsicht. Die Sächsische Staatsregierung setzte daraufhin einen Sonderbetreuer zur Aufwandsreduzierung ein - das allerdings ist ein "rechtswidriges Vorgehen", wie der Datenschutzbeauftragte des Freistaats kürzlich rügte.

Iyiaagan verschreckte auch Verbündete, in der Birthler-Behörde, in Opfer-Verbänden. Das Berliner Bürgerbüro erwog trotzdem, mit einer Geldspende die Gefängnisstrafe abzuwenden. Die 58-Jährige lehnte ab. Verständlich findet das Geschäftsführer Jens Planer-Friedrich: "Eine Zahlung muss in ihren Augen einem Schuldeingeständnis gleich kommen." Iyiaagan hofft dennoch. Sie zeigte Schäker an, wegen Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung. Schäker hatte erklärt, dass er "keine Dopingmittel an Athleten" verabreichte. "Woher weiß man das?", fragt Iyiaagan. "Außerdem behauptet das der Internet-Ausdruck gar nicht." Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Der inkriminierende Satz steht bis heute unangefochten auf der Internetseite. Winfried Schäker mag darüber "nicht mehr sprechen". Am Freitag wird aller Voraussicht nach ein Gerichtsvollzieher Claudia Iyiaagan in die Justizvollzugsanstalt Chemnitz einliefern. Zwar will sie Aufklärung und nicht Haft. "Aber ich habe nichts zu verlieren."

Sonntag, 24.07.2005

Rotweinrouladen

Die Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. Lauch (2 Stangen) putzen, waschen und in dünne Ringe schneiden. Zwei Möhren putzen, waschen und in Scheiben schneiden. 1/2 Sellerie putzen und würfeln. Gurken (kleines Glas Gewürzgurken) in Stifte schneiden.

Die Rouladen auf einer Seite mit Senf bestreichen, salzen, pfeffern und mit Schinken(jweils eine Scheibe gekochter Schinken), Zwiebelringen und Gurkenstiften belegen. Rouladen zusammenrollen und mit Rouladenspießen fixieren. 2 EL Olivenöl erhitzen und die Rouladen von allen Seiten scharf anbraten.

Mit 750ml Rotwein löschen, Lauch, Möhren und Sellerie dazugeben und alles mit Deckel bei geringer Hitze circa 2 Stunden schmoren. Danach mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zander mit Meerrettich

Eine Schalotte pellen und fein hacken. Meerrettich (ca. 100g) und 1 Gurke schälen, den Meerrettich fein reiben, die Gurke längs halbieren und mit einem Teelöffel entkernen. Dann in breite Stifte schneiden. Drei Zweige frischen Dill waschen, trockentupfen und Spitzen abzupfen.

Die Schalotte im Topf mit 250 ml Weißwein zum Kochen bringen und komplett einkochen, 200g saure Sahne dazugießen und alles auf ein Drittel reduzieren. Das ist ganz wichtig!

50 g Butter und den Meerrettich mit dem Pürierstab untermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und warm stellen. Zanderfilets auf der gehäuteten Seite kräftig salzen und mit Zitronensaft beträufeln.

In einer kleinen Pfanne 50 g Butter erhitzen und die Gurkenstifte darin anbräunen. In einer großen Pfanne 2 EL Pflanzenöl erhitzen, 25g Butter aufschäumen lassen und die Zanderfilets (4x100-200g)erst auf der Hautseite circa 4 Minuten goldbraun braten, dann wenden und fertig braten.

Die Meerrettichsauce auf die Teller verteilen, Fischfilet und Gurkenstifte darauflegen und mit Dill bestreut servieren.

Freitag, 10.06.2005

Mark Knopfler in L.E.

Kann denn Rock überhaupt noch romantischer sein!?


Er kommt nicht. Er ist einfach da. Mark Knopfler. Brille, weißes Hemd, schwarze Hose, graues kurzes Haar - und los geht's mit "Why Aye Man". Das Einspiel. Das Warmmachen. Für "Walk of Life", die erste Erinnerung an Dire Straits. Das Licht wechselt von blau zu rot, Mark Knopfler lässt die Finger über den Gitarrenhals laufen, zupft ein bisschen gegen den so unendlich eingängigen Rhythmus.

Das macht er immer wieder. Als ob er das alles schon so oft gespielt hätte, dass es jetzt Zeit wird für kleine Spielereien mit dem Material. Aber er spielt beileibe nicht wie ein Überdrüssiger. Er variiert vielmehr wie ein Verliebter. Wie einer, der diesen perlenden Lauf der so harmonisch passenden Töne atmen muss um zu leben. Mark Knopfler ist ein 100 000-Volt-Gitarrero, auch wenn er eher wie jemand aussieht, der jeden Tag mit Aktentasche ins Büro geht.

Nur: Was für ein Musiker ist dieser Ex-Englischlehrer! Was für Melodien fallen ihm immer wieder ein! Wie geschickt mixt er Dire-Straits-Nummern und Sachen von vier Solo-Alben! "Sailing to Philadelphia". Mark Knopfler schließt auf der Bühne die Augen zum Flug der Akkorde. Er segelt sanft weg, auch wenn der Text gar nicht auf Romantik abhebt, sondern erdig ist. Am Ende zieht und zieht er das Gitarren-Solo, variiert, wenn das Klavier leicht dagegen tönt.

Dann - natürlich erwartet - "Romeo & Juliet". Rau klingt die Stimme, die Bühne glüht purpur, dann königsblau. Mark Knopfler spielt mit silbern glänzender Acoustic-Gitarre, wechselt zur roten E-Gitarre. Gleich klingt alles härter, kälter, klarer. Endlich "Sultans of Swing". Wenn er nur diesen einen einzigen Song geschrieben hätte, ein Platz im Rock 'n' Roll-Himmel wäre Mark Knopfler sicher. Einer der schönsten Lieder, die je geschrieben wurde - und wieder bürstet ihnMark sanft gegen die Erwartung. Nicht so, dass man erschrecken müsste, aber er spielt ihn eben anders, badet in minutenlangem Beifall und bedankt sich schlicht: "Thank you ... very sweet." Ziemlich nett findet er seine Fans immer wieder.

"Done with Bonaparte", ein fröhliches, irgendwie keltisch klingendes Lied, geführt vom Akkordeon. "Donegan's Gone", bluesig und plektrum und im Sitzen nach ein paar Schlucken Tee. "Rudiger" über einem Keyboard-Teppich. "Boom, Like That", lang gezogen. "Speedway to Nazareth" - mit viel Stimmung aus Licht, Nebel und Farben und einem Wahnsinns-Gitarrenduell als Finale.

"Telegraph Road". Mark Knopfler singt wie nur Mark Knopfler singt. Schleppt die Zeilen, als müsste er sie abschmecken bevor er sie hören lassen kann. Schmeichelt mit dem Gesang und legt einen Rhythmus darunter, in den man daunenweich fällt. Das hat was vom Volkslied und ist noch Rock. Sehr sanft. Sehr schmusig. So dass man wünscht, er möge nie nie nie zu Ende kommen. Kommt er aber. 100 Minuten sind rum. Die Bühnen ist mittlerweile umlagert, niemand sitzt mehr auf den Stühlen.

Dann kommen die Zugaben, der Meister der Megamelodien trägt jetzt T-Shirt. "Brothers in Arms", ganz entspannt, ganz schwebende Stimmung. "Money for Nothing" mit einem treibenden Rhythmus, der im Ohr klebt. "So Far Away", zum Weinen schön. "The Mist Covered Mountains". Kann Romantikrock noch romantischer sein!?

(einfach der LVZ entnommen, weil ich es genau so schreiben würde;-))